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Irene Kastner

Irene Kastner Irene Kastner Irene Kastner
Irene Kastner Irene Kastner Irene Kastner Irene Kastner
Irene M. C. Kastner, geb. 19.2.1997 studiert seit 2014 an der Kunstakademie Düsseldorf, ist Meisterschülerin von Didier Vermeiren und Stipendiatin der deutschen Studienstiftung. Sie schloss ihr künstlerisches Studium 2019 ab, setzt seitdem das theoretische Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort und arbeitet ab Herbst 2021 an einer kunstwissenschaftlichen Dissertation. Neben der praktischen künstlerischen Arbeit verfolgt sie aus theoretisch-interdisziplinären Perspektiven Aspekte der Prozessualität und Reflexivität künstlerischer Praxis.

Statement

In meiner Arbeit nimmt das Material einen initialen Stellenwert ein. Ich gehe vom Material aus und rekurriere während des Arbeitsprozesses auf seine physischen, medialen und agentiellen Eigenschaften. Ich mag Materialien, die „einfach“ nutzbar sind und vermeide technisierte Prozesse, die zwischen mir und dem unmittelbaren Materialkontakt stehen.
Für meine plastischen Arbeiten war eine spezifische Materialerfahrung ausschlaggebend: Ich habe Gips in einen Pappkarton gegossen. Der Karton als provisorische Gussform greift in den Formprozess ein; er deformiert sich unter der warmen Feuchte des Gipses; wird zur Haut des sich darunter ausdehnenden, Form annehmenden und Raum einnehmenden Körpers. Prozesskonstitution und Prozessergebnis; gewollte Setzung und materialeigene Interferenz – z.B. dass sich der Pappkarton deformiert, vielleicht ausläuft, einreißt etc. – fusionieren. Wenn ich mich entscheide, die Papphaut abzuschälen, begegne ich einem sehr intimen, versehrbaren, aber autarken Körper. Ich muss ihm keine Bedeutung oder Repräsentation zusprechen, weil sein eigenes Zustandekommen eine Formgeschichte und Körperwerdung durchläuft. Die Plastik ist nicht Objekt, sondern Körper.
Auch in meinen aktuellen, nicht gegossenen, eher modellierten, „geschichteten“ oder „zusammengeklumpten“ Gipsarbeiten ist diese materielle Interferenz ein zentrales Agens. Zufall und Eigensprache des Materials – tröpfelnder Gips, verwischende Kohle, Abdrücke meines Körpers – ergeben ein Spannungsverhältnis aus Haftungen und Resistenzen, in dem ich Formwillen ausagiere und gleichzeitig abgebe.
Mein Körper ist die intensivste Schnittstelle dieser Begegnung. Format und Duktus der Kohlezeichnungen rekurrieren auf Maß und „Wucht“ bzw. „Unwucht“ meines Körpers, unter dessen Bedingtheit ich physische und psychische Impulse ausdrücke. Es sind Formassoziationen, Erinnerungsfragmente, subjektive Archetypen, die ich sowohl formal als auch inhaltlich in einem opaken Stadium belasse. Ich empfinde sie als körperliche Regung und verleihe ihnen körperlich Ausdruck. Für mich ist die Zeichnung kein Bild, sondern der Abdruck meines Körpers und meiner Psyche, der selbst Körper und Psyche gewinnt.

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